EuGH-Entscheidung ermöglicht Rückforderung von Einsätzen bei verbotenem Online-Glücksspiel
Zara Sullivan · Jun 23, 2026

EuGH-Entscheidung ermöglicht Rückforderung von Einsätzen bei verbotenem Online-Glücksspiel

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Spieler in Deutschland und anderen EU-Staaten Ansprüche auf Rückerstattung ihrer Verluste aus illegalen Online-Glücksspielen geltend machen können, wenn diese Aktivitäten zum Zeitpunkt der Teilnahme in ihrem Heimatland untersagt waren, und diese Möglichkeit besteht auch dann, wenn die nationalen Gesetze später liberalisiert wurden.
Hintergrund des Verfahrens aus Deutschland
Ein deutscher Spieler hatte vor deutschen Gerichten Klage auf Erstattung seiner Einsätze erhoben, weil er in einem Zeitraum gespielt hatte, in dem Online-Glücksspiel ohne entsprechende Lizenz nicht zulässig war, während die Betreiber keine Genehmigung für den deutschen Markt besaßen und die Plattformen grenzüberschreitend angeboten wurden.
Das nationale Gericht wandte sich mit Fragen zur Auslegung des EU-Rechts an den Europäischen Gerichtshof, und die Richter in Luxemburg stellten klar, dass das Verbot von Online-Glücksspiel zum Schutz der Verbraucher und zur Bekämpfung von Kriminalität mit den Grundfreiheiten des EU-Vertrags vereinbar bleibt, solange es verhältnismäßig angewendet wird.
Kernpunkte der EuGH-Entscheidung
Die Richter legten fest, dass Spieler zivilrechtliche Ansprüche auf Rückzahlung ihrer Einsätze durchsetzen können, wenn der Anbieter ohne die erforderliche Erlaubnis tätig war, und diese Ansprüche bleiben auch nach einer späteren Legalisierung des Marktes bestehen, weil der ursprüngliche Vertrag gegen gesetzliche Verbote verstieß. Die Entscheidung betrifft sowohl Casino-Spiele als auch Sportwetten, die ohne Lizenz angeboten wurden, und sie eröffnet Betroffenen die Möglichkeit, vor Zivilgerichten in ihrem Heimatland zu klagen.

Das Urteil stützt sich auf die Dienstleistungsfreiheit und den Verbraucherschutz, während es gleichzeitig die Mitgliedstaaten in ihrer Befugnis bestätigt, den Zugang zu Glücksspielangeboten zu regulieren, und Betreiber, die ohne Lizenz agierten, müssen mit zivilrechtlichen Forderungen rechnen, die über nationale Verjährungsfristen hinausgehen können.
Auswirkungen auf Spieler und Anbieter
Spieler, die zwischen 2012 und 2021 an illegalen Plattformen teilgenommen haben, können nun prüfen, ob sie ihre Verluste zurückfordern, und die Gerichte in Deutschland müssen diese Ansprüche nach den Vorgaben des EuGH behandeln, während Betreiber mit einer möglichen Welle von Klagen konfrontiert sind, die sich auf die damalige Rechtslage beziehen. Die Entscheidung gilt unionsweit, sodass auch Spieler aus anderen Mitgliedstaaten ähnliche Schritte einleiten können, wenn in ihrem Land vergleichbare Verbote galten und grenzüberschreitende Angebote ohne Zulassung erfolgten.
In Juni 2026 berichten deutsche Anwaltskanzleien von ersten eingereichten Klagen, die sich direkt auf das EuGH-Urteil stützen, und die Verfahren zeigen, dass die Rückerstattung von Einsätzen unabhängig von späteren Gesetzesänderungen möglich bleibt, solange der Vertrag zum Zeitpunkt des Abschlusses gegen geltendes Recht verstieß.
Rechtliche Einordnung im deutschen Kontext
Der Glücksspielstaatsvertrag von 2021 hat den Markt für Online-Sportwetten und virtuelle Automatenspiele teilweise geöffnet, doch die EuGH-Entscheidung macht deutlich, dass frühere illegale Aktivitäten nicht nachträglich legitimiert werden, und Zivilgerichte prüfen weiterhin, ob Anbieter ohne deutsche Konzession haftbar bleiben. Behörden wie die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder überwachen die Einhaltung der neuen Regelungen, während parallel Altfälle aus der Zeit vor der Lizenzierung bearbeitet werden.
Praktische Umsetzung und Verfahren
Betroffene Spieler müssen vor deutschen Amts- oder Landgerichten klagen, und sie können sich auf die EuGH-Rechtsprechung berufen, um nachzuweisen, dass der Anbieter ohne erforderliche Erlaubnis tätig war, während die Beweislast für die Teilnahme an illegalen Angeboten beim Kläger liegt und Fristen für die Geltendmachung von Ansprüchen zu beachten sind. Anwälte weisen darauf hin, dass Sammelklagen oder Musterprozesse möglich sind, und erste Urteile deutscher Instanzgerichte bestätigen die Durchsetzbarkeit der Rückerstattungsansprüche.
Fazit
Das EuGH-Urteil schafft eine klare Grundlage für zivilrechtliche Auseinandersetzungen um Verluste aus der Zeit des Verbots und beeinflusst die Haftung von Betreibern, die ohne Lizenz agierten, während Spieler in Deutschland und der EU ihre Ansprüche nun mit höherer Rechtssicherheit verfolgen können. Die Entscheidung bleibt für alle Fälle relevant, die vor der vollständigen Marktöffnung entstanden sind.